Erfahrungsbericht
Vom Rehasport zum Walking-Trainer: der Weg von Christian Grundmann
Christian Grundmann kam 2024 über den Rehasport zum Powerwalking. Heute geht er 8,38 km/h und ist zertifizierter Walking-Trainer. Seine Zahlen aus dem August 2026.
Zwei Fotos. Fünfzehn Monate dazwischen.
Auf dem einen steht ein Mann im gelben Trikot am Rand eines Sportplatzes. Auf dem anderen steht derselbe Mann in Laufkleidung unter einem Baum, Sportuhr am Handgelenk, Socken bis unters Knie.
Man braucht keine Waage, um den Unterschied zu sehen.
Aber es gibt auch Zahlen. Und die sind mindestens genauso deutlich.

Angefangen hat es mit einer Verordnung
2024. Rehasport.
Für die meisten Menschen ist das eine Maßnahme mit Ablaufdatum. Man geht hin, weil es verordnet wurde. Man hört auf, wenn die Einheiten aufgebraucht sind. Der Ordner mit den Unterlagen wandert ins Regal.
Bei Christian Grundmann lief es anders.
Aus der Übung wurde eine Gewohnheit. Aus der Gewohnheit wurde Powerwalking. Und aus dem Powerwalking wurde das, was er selbst so beschreibt:
Es ist von einem Rehasport 2024 zu einer richtigen Leidenschaft für mich heute geworden.
Christian Grundmann
Ein Satz, der einen ganzen Weg beschreibt.
Was passiert, wenn man wirklich dranbleibt
Christian Grundmann hat uns zwei seiner Trainingseinheiten aus dem August 2026 geschickt. Vier Tage liegen dazwischen.
| Kennzahl | 19.08.2026 | 23.08.2026 |
|---|---|---|
| Distanz | 7,52 km | 5,01 km |
| Dauer | 00:54:54 | 00:35:51 |
| Kalorien | 659 kcal | 417 kcal |
| Tempo (Durchschnitt) | 7:18 min/km | 7:09 min/km |
| Geschwindigkeit | 8,22 km/h | 8,38 km/h |
| Schrittfrequenz | 141 Schritte/Min. | 145 Schritte/Min. |
| Schrittlänge | 97 cm | 96 cm |
| Schritte gesamt | 7.786 | 5.214 |
| Herzfrequenz (Ø / max.) | 139 / 161 bpm | 130 / 140 bpm |
| Zeit im aeroben Bereich | 15 Min. | 35 Min. |
| Zeit im anaeroben Bereich | 31 Min. | 0 Min. |
| VO2max | 42 ml/kg/Min. | 43 ml/kg/Min. |
| Regenerationszeit | 16 Std. | 7 Std. |


659 Kalorien in 54:54 Minuten. Das ist der Wert, der viele überrascht, weil Walking nach wenig aussieht. Es ist aber genau der Bereich, in dem man lange durchhält, mehrmals pro Woche, ohne die Gelenke zu überlasten. Wie viel dabei tatsächlich verbrannt wird, hängt von Körpergewicht, Tempo und Untergrund ab. Die Zahl der Uhr ist eine Schätzung, kein Laborwert.
Interessant ist dabei nicht die Distanz. Interessant ist das Verhältnis von Tempo und Puls.
Am 19. August: 7:18 pro Kilometer bei durchschnittlich 139 Schlägen. 31 Minuten davon im anaeroben Bereich.
Am 23. August: 7:09 pro Kilometer bei durchschnittlich 130 Schlägen. 35 Minuten im aeroben Bereich, keine einzige Minute anaerob.
Schneller unterwegs. Und trotzdem ruhiger.
Zwei Einheiten sind noch kein Beweis. Tageszeit, Strecke und Temperatur unterscheiden sich, die Zonen stammen aus dem Modell einer Sportuhr. Aber die Richtung stimmt. Der VO2max-Wert, der in diesen vier Tagen von 42 auf 43 ml/kg/Min. gestiegen ist, zeigt dorthin. Die Regenerationszeit, die von 16 auf 7 Stunden gefallen ist, ebenfalls.
Das Detail, das Trainerinnen und Trainer sofort sehen
Es sind die Kilometersplits der Fünf-Kilometer-Einheit:
- km 17:02
- km 27:14
- km 37:15
- km 47:13
- km 57:02
Dreizehn Sekunden Unterschied zwischen dem schnellsten und dem langsamsten Kilometer. Der letzte Kilometer exakt so schnell wie der erste.
Das ist keine gute Tagesform. Das ist Tempogefühl. Wer so gleichmäßig geht, hat seine Technik im Griff und startet nicht zu schnell. Genau das lernt man in einer Trainerausbildung. Christian Grundmann konnte es schon vorher.
Und dann kam die Frage
Nach dem Präsenztag am KIT schrieb er uns. Nicht nur, um sich zu bedanken. Sondern weil er etwas wissen wollte, worauf er nirgendwo eine Antwort gefunden hatte.
Wo genau hört Walking eigentlich auf, Walking zu sein?
Gibt es eine minimale und eine maximale Schrittlänge? Eine Ober- und eine Untergrenze bei der Schrittfrequenz? Ab welchem Punkt ist es etwas anderes?
Das ist keine Anfängerfrage. Das ist die Frage eines Menschen, der seine eigenen Werte auswendig kennt und wissen will, ob er noch innerhalb der Definition liegt.
Die Antwort aus dem Institut
- Schrittlänge
- Es gibt keine sinnvolle Ober- oder Untergrenze. Sie hängt entscheidend von der Beinlänge und damit von der Körpergröße ab. Ein Wert, der bei 1,70 Meter korrekt ist, ist bei 1,90 Meter falsch.
- Schrittfrequenz nach oben
- Etwa 150 Schritte pro Minute. Wer darüber hinauskommt, schafft das in aller Regel über eine Hüftrotation. Das ist dann Sportgehen und kein Walking mehr.
- Schrittfrequenz nach unten
- Rund 120 Schritte pro Minute für sportliches Walking. 130 bis 140 über eine längere Strecke zu halten, setzt bereits einen guten Trainingszustand voraus.
- Grenzgeschwindigkeit
- Etwa 8,5 km/h. Darüber wird Walking unökonomisch. Dann ist Joggen die bessere Wahl.
- Keine Flugphase
- Ein Fuß hat immer Bodenkontakt. Tempo entsteht über den korrekten Armeinsatz und über die Schrittfrequenz, nicht über einen Sprung.
Wo steht er also?
Genau an der Stelle, an der es spannend wird.
Seine Schrittfrequenz liegt bei 141 und 145 Schritten pro Minute. Das ist das obere Drittel des Korridors, klar über dem Bereich, für den man laut Lehrmeinung schon gut trainiert sein muss.
Seine Schrittlänge liegt laut Uhr bei 96 bis 97 Zentimetern, nach eigener Messung bei 98 bis 102.
Seine Geschwindigkeit: 8,22 km/h auf 7,5 Kilometern. 8,38 km/h auf fünf Kilometern.
Bei einer Grenzgeschwindigkeit von etwa 8,5 km/h.
Christian Grundmann bewegt sich also nicht irgendwo im Mittelfeld. Er geht am oberen Rand dessen, was Walking technisch überhaupt noch sein kann. Ohne Flugphase, ohne Hüftrotation, über eine knappe Stunde.
Eine Ausnahme namens Hartwig Gauder
Ausnahmen von der 8,5-Grenze gibt es. Eine davon war Hartwig Gauder, Weltmeister und Olympiasieger im Sportgehen.
Nach seiner Leistungssportkarriere hat er sich gemeinsam mit dem DWI für das Walking engagiert. Er konnte mit blitzsauberer Walking-Technik 11 km/h gehen.
Das ist der Maßstab am oberen Ende. Und es zeigt, wie viel in einer Bewegungsform steckt, die von außen so einfach aussieht.
Vom Teilnehmer zum Trainer
Im August 2026 hat Christian Grundmann seine Ausbildung zum Walking-Trainer am KIT in Karlsruhe abgeschlossen. Theorieteil und Präsenztag.
Der gesamte Kurs, auch der Theorieteil, hat mir sehr gut gefallen und vor allem auch eine Menge Fachwissen vermittelt. Der Präsenztag war wirklich richtig gut durchgeführt und hat mir weiteres Know-how als zukünftiger Trainer geliefert und vertieft.
Christian Grundmann
Wir geben das Lob gerne weiter, vor allem an Alexandra Mayer und Edwin von Lemberg, die den Präsenztag begleitet haben.
Aber der eigentliche Punkt liegt woanders.
2024 war Christian Grundmann Teilnehmer einer Rehasport-Gruppe. 2026 ist er zertifizierter Walking-Trainer. Zwischen diesen beiden Sätzen liegen 7.786 Schritte an einem Vormittag im August. Und viele tausend davor.
Was diese Geschichte über Walking erzählt
Walking hat kein Publikum. Keine Zieleinlauffotos, keine Medaillen, kein Applaus an der Strecke.
Was Walking hat, ist Wiederholbarkeit.
Man kann fast täglich walken. Man kann damit anfangen, wenn Laufen noch nicht geht. Man kann es bis ins hohe Alter betreiben. Und man kann darin richtig gut werden, wie diese fünf Kilometersplits beweisen.
Christian Grundmann hat nichts Spektakuläres getan. Er ist gegangen. Wieder und wieder. Schneller, sauberer, bewusster.
Und irgendwann sah das Foto anders aus.